Ford selbst bezeichnet den europäischen OHC rückblickend ausdrücklich als „Ford Pinto-Motor“. Intern lief die Baureihe unter dem Code T88, später kam das Kürzel TL für „Taunus in Line“ hinzu. Gefertigt wurde der Motor in Köln; Ford nennt für die Baureihe einen Produktionszeitraum von 1969 bis 1993.
Ein klassischer Vierzylinder – aber technisch durchaus modern für seine Zeit
Der Pinto ist ein klassischer Reihen-Vierzylinder mit Graugussblock und Grauguss-Zylinderkopf. Seine Besonderheit war damals die obenliegende Nockenwelle – OHC steht für „Overhead Camshaft“ – und vor allem deren Zahnriemenantrieb. Ford setzte damit erstmals bei einem Großserienmotor auf einen Zahnriemen zur Steuerung der Nockenwelle.
Das klingt heute völlig normal, war Anfang der 1970er aber durchaus modern.
Der Motor ist bewusst einfach aufgebaut: eine obenliegende Nockenwelle, zwei Ventile pro Zylinder, klassische Gemischaufbereitung per Vergaser und insgesamt eine Konstruktion, die sich gut warten und reparieren lässt. Genau das ist bei einem Oldtimer natürlich kein Nachteil.
Woher kommt eigentlich der Name „Pinto“?
Der Name entstand, weil die Motorfamilie ursprünglich eng mit dem Ford Pinto auf dem nordamerikanischen Markt verbunden war. In Europa wurde die Baureihe dann vor allem in Modellen wie Taunus, Cortina, Capri und später Sierra eingesetzt.
Für Europa gab es unter anderem Varianten mit 1,3, 1,6, 1,8 und 2,0 Litern Hubraum. In Nordamerika existierte zusätzlich eine 2,3-Liter-Version, die dort meist als „Lima“-Motor bezeichnet wurde.
Unser Motor: 2,0 Liter und 101 PS
Unser Ford Capri von 1982 hat die 2,0-Liter-OHC-Version mit 101 PS.
Ford führte diesen 2,0-Liter-Vierzylinder mit 101 PS im Laufe des Jahres 1978 in das Capri-Programm ein. Laut Ford sollte der Motor besonders wirtschaftlich sein und gleichzeitig genügend Temperament für den sportlichen Charakter des Capri liefern.
Damit ist unser Capri also kein V6, sondern ein relativ leichter und unkomplizierter Vierzylinder.
Und genau das hat für unsere Rallye durchaus Charme.
101 PS klingen heute natürlich nicht nach besonders viel. Aber bei einem Fahrzeug aus den frühen 1980ern geht es auch nicht darum, moderne Leistungswerte zu erreichen. Entscheidend ist vielmehr, dass der Motor überschaubare Technik, gute Teileversorgung und eine robuste Grundkonstruktion bietet.
Für eine Tour wie Jupiter’s Flash ist das eigentlich eine ziemlich angenehme Kombination.
Warum der Pinto einen guten Ruf hat
Der Pinto gilt als vergleichsweise unkomplizierter Motor. Seine Technik ist übersichtlich, viele Arbeiten lassen sich ohne Spezialdiagnose durchführen, und zahlreiche Verschleiß- und Zündungsteile sind bis heute verfügbar.
Das bedeutet natürlich nicht, dass ein mehr als 40 Jahre alter Motor unverwundbar wäre. Gerade bei alten Fahrzeugen spielen Wartungszustand, Kühlung, Zündung und Ölversorgung eine entscheidende Rolle.
Frühe Pinto-Motoren hatten beispielsweise Probleme mit erhöhtem Verschleiß an Nockenwelle und Schlepphebeln. Ford reagierte darauf unter anderem mit Änderungen an Material und Schmierung; später kam eine Ölspritzleiste zum Einsatz, die die Nockenwelle gezielter mit Öl versorgte.
Bei einem gepflegten Exemplar ist der Pinto heute aber vor allem das, was man sich bei einem Oldtimer wünscht: verständlich, reparierbar und mechanisch ehrlich.
Kein Computer, keine Sensorflut, kein Diagnosegerät
Was beim Rallye-Einsatz besonders sympathisch ist: Wenn der Motor nicht läuft, kann man oft noch nachvollziehen, warum.
Bei unserer originalen Zündung sind klassische Komponenten wie Unterbrecherkontakt, Kondensator, Verteilerkappe und Verteilerfinger im Einsatz. Dazu kommen Vergaser, mechanische Komponenten und ein insgesamt sehr überschaubares elektrisches Umfeld.
Das ist im Alltag natürlich weniger komfortabel als moderne Motorelektronik. Für eine Oldtimer-Rallye hat es aber einen gewissen Reiz: Viele typische Fehler lassen sich mit etwas Werkzeug, Ersatzteilen und einem Multimeter am Straßenrand zumindest eingrenzen.
Der Pinto im Capri
Ford setzte den Pinto/OHC über viele Jahre im Capri ein. Beim Capri III gehörte der 2,0-Liter-Vierzylinder mit 101 PS schließlich zu den zentralen Motorisierungen. Ford stellte ihn später sogar als Einstiegsantrieb des 2,0 GT heraus.
Damit passt der Motor ziemlich gut zum Charakter des Capri: keine exotische Hochleistungstechnik, sondern klassische Großserientechnik in einem sportlich gezeichneten Coupé.
Und genau das macht für uns einen Teil des Reizes aus.
Warum unser Team Pinto-Power heißt
Der Name unseres Teams ist damit eigentlich schnell erklärt.
Pinto-Power ist natürlich mit einem Augenzwinkern gemeint.
101 PS sind nach heutigen Maßstäben keine Machtansage. Aber darum geht es auch gar nicht.
Der Name steht vielmehr für den Motor, für den Capri und für die Idee, mit klassischer Technik einmal quer durch Italien zu fahren – und das für einen guten Zweck.
Vom Ötztal über Alpenpässe, Toskana, Neapel und Kalabrien bis nach Sizilien.
Ob der inzwischen 44 Jahre alte Pinto-Motor diese rund 2.000 Kilometer klaglos mitmacht, werden wir bald herausfinden.
Vorbereitung auf Jupiter’s Flash
Vor der Rallye wurde unser Capri von einem Capri-Spezialisten gründlich überprüft.
Wir nehmen außerdem einige typische Ersatzteile mit – unter anderem Komponenten der Zündung, Keilriemen, Sicherungen und Kleinteile, die unterwegs schnell den Unterschied zwischen einer kurzen Schrauberpause und einem längeren Stillstand machen können.
Die wichtigste Strategie bleibt aber simpel:
nicht hetzen, Temperaturen im Blick behalten, bergauf nicht quälen und bergab die Bremsen schonen.
Der Pinto soll schließlich nicht nur bis Palermo kommen.
Er soll uns danach auch wieder nach Hause bringen.
Kleine technische Übersicht
Motor: Ford OHC / Pinto
Bauart: Reihen-Vierzylinder
Ventiltrieb: obenliegende Nockenwelle, Zahnriemen
Ventile: 2 pro Zylinder
Block/Kopf: Grauguss
Hubraum unseres Capri: 1.998 cm³
Leistung: 101 PS
Gemischaufbereitung: Vergaser
Baujahr unseres Capri: 1982
Bilder vom Capri findet Ihr in der Galerie